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AWO begrüßt steuerliche Entlastung Alleinerziehender

Berlin, 17. April 2015. „Das ist ein erster und längst überfälliger Schritt, endlich die Doppelbelastung, die Alleinerziehende tagtäglich zu stemmen haben,  anzuerkennen,“ erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler anlässlich der gestern  bekannt gewordenen Entscheidung der Regierungskoalition, den steuerlichen Entlastungsbetrags für Alleinerziehende um deutliche 600 Euro anzuheben. Dieser Betrag wurde seit zehn Jahren nicht mehr angehoben. „Wichtig ist aber, dass die Mittel dafür nicht an anderer Stelle eingespart werden dürfen, sondern aus dem Finanzministerium kommen  müssen. Sollte die Refinanzierung dennoch aus dem Bundesfamilienministerium kommen, sollten hierfür die Mittel aus dem Etat des unsinnigen Betreuungsgeldes kommen “, betont Stadler.

In der Bundesrepublik gibt es rund 1,6 Millionen Alleinerziehende. Sie können häufig keiner Vollzeittätigkeit nachgehen und sind daher öfter armutsgefährdet.  Unter einer prekären finanziellen Situation leiden aber nicht nur die Erwachsenen, sondern genauso ihre Kinder. „Die Anhebung des Freibetrages nützt den Alleinerziehenden aber nur,  wenn ihre Kinder eine gute Betreuung in Kita und Ganztagsschule bekommen. Nur so können die alleinerziehenden Eltern einer Berufstätigkeit nachgehen“,  gibt der AWO Bundesvorsitzende abschließend zu bedenken.

Betreuungsgeld – AWO begrüßt verfassungsrechtliche Überprüfung

Zur am morgigen Dienstag anstehenden mündlichen Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts in Sachen Betreuungsgeld erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler: 

„Die AWO begrüßt es, dass das Bundesverfassungsgericht die Verfassungskonformität des Betreuungsgeldes abschließend klären wird. Unabhängig von der rechtlichen Fragwürdigkeit lehnt die AWO das Betreuungsgeld ab, da es sich hierbei um ein Angebot handelt, das nicht die Entwicklung des Kindes in den Mittelpunkt stellt. Es bringt stattdessen Eltern in Versuchung, auch ein Kind, das von einem Kita-Angebot enorm profitieren würde, davon fernzuhalten. Das Betreuungsgeld zementiert zudem alte Rollenbilder, es setzt falsche Anreize und hält Frauen von ihrer beruflichen Entwicklung ab. Dass 95 Prozent der Betreuungsgeldbeziehenden Frauen sind, beweist dies deutlich. 

Dass die Zahl der Betreuungsgeldbeziehenden zuletzt gestiegen ist, liegt vor allem an den vielerorts zu hohen Betreuungsgebühren und fehlenden oder zeitlich nicht passenden Betreuungsplätzen. Kita-Gebühren gehören abgeschafft. Das gelingt, wenn sich der Bund dauerhaft an den Kosten der Kinderbetreuung beteiligt. Nur so haben alle Kinder unabhängig vom Wohnort oder dem Portemonnaie ihrer Eltern, die gleichen Entwicklungschancen. 

Für eine qualitativ hochwertige Betreuung benötigt man gut ausgebildete und gut bezahlte Fachkräfte. Nach unseren Berechnungen fehlen derzeit bundesweit zwischen 25.000-30.000 Erzieherinnen und Erzieher. Ein Grund für den Mangel ist die wenig attraktive Bezahlung. Die Vergütungsstruktur ist den anspruchsvollen Aufgaben, wie  einer verstärkten Sprachförderung und der gezielten Förderung von Kindern unter drei Jahren nicht angemessen. Die AWO als ein großer Kita-Träger unterstützt die Forderung nach einer besseren Bezahlung des pädagogischen Fachpersonals grundsätzlich, gleichwohl wir dafür auf die entsprechende Refinanzierung durch die öffentliche Hand angewiesen sind. Würden die 900 Millionen Euro, die das Bundesfamilienministerium in diesem Jahr für das Betreuungsgeld bereit hält, in die Kitas und ihr Personal investiert, würde das Geld tatsächlich dort ankommen wo es hingehört – bei den Kindern.“